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Teil 4: Wohnraumversorgung - Das Prinzip „Lego“: Rezyklierbarkeit und Kreislaufwirtschaft

Autor/in

Markus Buckenmayer Markus Buckenmayer

Datum

30.01.2024

Schlagworte

  • Bauen & Klima
  • Fortbildung
  • Info-Serie Wohnraumversorgung

Wohnraumversorgung

  1. Teil 1: Wohnraumversorgung – Hintergründe und Zusammenhänge
  2. Teil 2: Wohnraumversorgung - Klimaverträgliches Bauen
  3. Teil 3: Wohnraumversorgung - Was können natürliche Baustoffe bewirken?
  4. Teil 4: Wohnraumversorgung - Das Prinzip „Lego“: Rezyklierbarkeit und Kreislaufwirtschaft
  5. Teil 5: Wohnraumversorgung - Wohnfläche und Suffizienz – Wie viel ist genug?
  6. Teil 6: Wohnraumversorgung - Wo Märkte sinnvoll sind (und wo nicht)
  7. Teil 7: Wohnraumversorgung - Wohnungspolitische Instrumente und Eigentumsverhältnisse in Deutschland
  8. Teil 8: Wohnraumversorgung - Warum wir einen umfassenden kulturellen Wandel benötigen
  9. Teil 9: Wohnraumversorgung - Warum Wohnraum immer auch emotional ist
  10. Teil 10: Wohnraumversorgung - Unser „Neschtle“ oder die Transformation im Tun

Wie wäre es, wenn wir anstatt ständig neue Baustoffe her­zu­stellen mit dem Material bauen, was bereits vorhanden ist? Einfache Antwort: Das wäre super! Die Gefahr der Über­nutzung natürlicher Rohstoffe, z.B. Holz, würde verringert und die Emissionen, welche bei der Her­stellung neuer Bau­materialien entstehen, vermieden.

Warum Gebäude (noch) nicht wie Lego funktionieren

Anders als beim Lego die Farben können viele Bau­stoffe nicht sorten­rein getrennt werden, was eine Wieder­verwendung schwierig macht. So eignet sich der Bau­schutt aus ab­gerissenen Gebäuden leider daher meist nur als Schotter für den Tief­bau, obwohl es eigentlich hoch­wertige Roh­stoffe sind. Wurden in dem Gebäude giftige Materialien (wie z.B. Asbest) verbaut, ist selbst das nicht möglich und das ganze Gebäude ent­spricht einem großen Haufen Sonder­müll. Damit aus alten Gebäuden tat­sächlich neue entstehen können, müssten Gebäude kon­sequent sorten­rein und trenn­bar gebaut werden. Im Prinzip also wie ein Lego-Haus.

Wie gelingt mehr Wieder­verwend­barkeit im Bau­wesen?

Auch wenn der Groß­teil der heutigen Gebäude noch völlig anderes entsteht, gibt es immer mehr Akteure in der Bau­wirtschaft, die sich dem Thema Wieder­verwendung, im Fach­jargon „Rezyklier­barkeit“, annehmen.

Ein Ansatz stammt von Prof. Florian Nagler. Unter dem Schlag­wort „einfach bauen“ erstellte er in Bad Aibling drei Forschungs­häuser, welche aus so wenig verschiedenen Materialien wie möglich bestehen1. Hierdurch wird die Komplexität im Bau und während der Nutzung verringert. Gleich­zeitig steigt die Rezyklier­barkeit der Gebäude, da die verwendeten Materialien über­schaubar und verhältnis­mäßig einfach von­ein­ander zu trennen sind.

Gibt es Häuser, die schon aus Recycling-Stoffen gebaut sind?

Bereits im Sommer 2022 haben wir zwei Wohn­gebäude in Kopen­hagen vorgestellt, welche beim Thema Recycling im Bau­wesen vorangehen. Die Architekten des Büros „Lendager“ verwendeten in den Gebäuden „Resource Rows“ und „Upcycle Studios“ so viel bestehende Bau­stoffe wie möglich. Die Fassade der Ressource Rows bestehen z.B. aus wieder­verwendeten Ziegeln einer alten Brauerei. Das Problem der mangelnden Trennbarkeit wurde hier auf pfiffige Weise gelöst. Da die Ziegel­steine nicht vom Mörtel zu trennen sind, wurden für die neue Fassade einfach ganze Wand­elemente heraus­gesägt. Ent­standen ist so ein modernes Design mit alten Materialien.

ressource-rows-kopenhagen
Ressource Rows Kopenhagen
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Upcycle Studios Kopenhagen

Für die „Upcycle Studios“ wurde über­schüssiger Beton vom Bau der Metro und aus­sortiertes Holz eines Parkett­herstellers verwendet. Die beiden Gebäude zeigen wie viel Potential in der Wieder­verwendung von Bau­materialien steckt: Für alle analysierten Materialien gelang durch die Wieder­verwendung eine signifikante CO2-Einsparung. Gleichzeitig verdeutlichen die Gebäude aber auch, wie viel für eine kreis­lauffähige Bau­wirtschaft noch zu tun ist: Bei allen Materialien war die Wieder­verwendung teurer als der Einsatz neuer Materialien. Dies liegt daran, dass oft mehr Hand­arbeit notwendig ist, aufgrund geringerer Mengen weniger Skalen­effekte aus­genutzt werden können und noch keine Standardisierung erfolgt ist.

Zurück zur Lego-Idee:

Einer der spannendsten Ansätze im Bereich des kreis­lauf­fähigen Bauens findet fast direkt vor unserer Haustür statt. Die Stuttgarter Firma Triqbriq hat Holz­bau­steine entwickelt, welche aus industriellem Abfall­holz her­gestellt werden und ohne künstliche Verbindungs­stoffe auskommen. Auch auf der Bau­stelle findet kein Ver­kleben oder Ver­putzen statt. Die Bau­steine werden „einfach“ zusammen­gesteckt und mit Hilfe von Holz­dübeln fixiert.2 In dieser „Lego-Bauweise“ entsteht gerade ein mehr­stöckiges Wohn­haus in Frankfurt!

Um die fatale Klima­wirkung der Bau­wirtschaft zu ver­ringern, müssen wir also mehr ökologische Bau­stoffe verwenden, diese effizient einsetzen (insbesondere Holz!), bereits vorhandene Materialien wieder­verwenden und Häuser so planen, dass eine Wieder­verwendung in Zukunft einfach wird. Doch müssen wir über­haupt bauen? Haben wir nicht eigent­lich schon genug Gebäude? Mit dieser Frage beschäftigen wir uns in Teil 5 unserer Serie.

Zu diesem Teil passt auch die Idee der "Wald-Bau-Pumpe" von Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber. Mehr dazu findet ihr in unserem Veranstaltungsbericht des Vortrags von Prof. Schellnhuber in Tübingen

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Fußnoten

  1. Webseite von einfach bauen zurück nach oben
  2. Wie funktioniert TRIQBRIQ? zurück nach oben
Teil 5: Wohnraumversorgung - Wohnfläche und Suffizienz – Wie viel ist genug? Teil 3: Wohnraumversorgung - Was können natürliche Baustoffe bewirken?

© nestbau AG

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