zum Hauptinhalt der Seite springen
LogoLogo nachhaltig. ethisch. sicher. transparent.
Menü
Menü schließen
  • Startseite
  • Unternehmen & Menschen
    • Das Unternehmen
    • Werte & Überzeugungen
    • Die Menschen hinter nestbau
    • nest-Blog
    • nestbau-Chronik
    • Veranstaltungen
    • Stellenangebote
    • Kontakt
    • Blog-Archiv
  • Gebäude & Geldanlage
    • Die nestbau-Wirkung
    • Die Gebäude unserer Bürger-AG
    • Grundlagenwissen über Aktien
    • Aktien kaufen
    • Genussrechte
    • Aktien verkaufen
    • Aktienplattform
    • Die Bürger-Aktiengesellschaft
  • Dienstleistungen
    • Beratung & Projektsteuerung
    • Immobilienverwaltung & Hausmeisterservice
    • Referenzen
    • Rentabilitätsberechnung

Recycling im Bauwesen – Zwei Wohngebäude in Kopenhagen gehen voran

Autor/in

Markus Buckenmayer Markus Buckenmayer

Datum

24.06.2022

Schlagworte

  • Bauen & Klima
  • Bautechnik

Andere Länder, andere Bauprojekte: Unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Markus Buckenmayer berichtet hier von zwei Gebäude­komplexen, die zum Großteil mit Recycling-Materialien realisiert wurden.

Monatliche Preissteigerungen, Material­knappheit und Planungs­unsicherheit domi­nieren seit gut einem halben Jahr die Baubranche. Diese Entwick­lungen gehen natürlich auch an der nestbau AG nicht spurlos vorbei. Die steigen­den Preise machen es immer schwie­riger, den Anspruch von bezahl­baren Mieten mit den Baukosten zu vereinbaren. Zudem ist es schwierig bis fast unmöglich ein Projekt voranzu­treiben, wenn die beteiligten Baufirmen keine festen Preis­zusagen mehr machen wollen oder können.

Da der konventionelle Hausbau aus Beton und Stahl deutlich energie­intensiver ist als der Holzbau und zudem weniger Material aus Übersee benötigt wird, sind die Preis­steige­rungen im Holzbau deutlich geringer. Es zahlt sich daher aus, dass die nestbau AG bereits seit knapp 2 Jahren die Möglichkeit eines Holzbaus verfolgt hat und mit möglichen Partnern in Kontakt steht. War der Holzbau bislang gut 10-15 % teurer als ein Stahl-Beton-Gebäude, ist dieser nun nicht nur ökolo­gisch deutlich über­legen, sondern auch ökonomisch wettbewerbsfähig. Allerdings sind die Preise für beide Varianten auf einem spürbar höheren Niveau als noch vor zwei Jahren, was die Miet­wirt­schaft vor große Heraus­forderungen stellt. Die nestbau AG muss daher weiterhin aktiv nach nach­haltigen und bezahl­baren Alter­nativen Ausschau halten.

Seit Ende Januar befinde ich mich für ein Ausland­semester in der dänischen Haupt­stadt Kopen­hagen. In einem Kurs zu Architektur und Stadt­planung ist mir eine solche Alter­native präsentiert worden: Nur 10 Gehminuten von meinem Studie­renden­wohnheim entfernt, im neu errich­teten Stadt­teil Orestad, befinden sich zwei spannende Wohn­gebäude der Archi­ekten­gruppe Lendager, welche zum Teil mit recycelten Baustoffen errichtet wurden.

Resource Rows – Upcycling trifft Design

Projekt „Resource Rows“ in Kopenhagen
Projekt „Resource Rows“ in Kopenhagen

Das Projekt „Resource Rows“ besteht aus insgesamt 82 Wohn­ein­heiten mit gut 9.000 m² Fläche. Die Fassade des Gebäudes besteht aus Ziegel­steinen einer alten Brauerei, das Holz für die Dach­terrasse und die dortigen „Garten­häuser“ stammt aus aussor­tiertem Holz zweier Holzbau­firmen sowie vom Bau der Kopen­hagener Metro. Die Brücke über den Innenhof ist ebenfalls wieder­verwendet. Sie kommt von einer abgeris­senen Firma aus der direkten Umge­bung. Bezogen auf einen Zeit­raum von 50 Jahren gelang den Archi­tekten nach eigener Analyse eine CO2-Reduktion von 29 % im Vergleich zu einem gleich­wertigen Gebäude mit aus­schließ­lich neu gefer­tigten Baumaterialien, und dies obwohl nur gut 10 % des Materials aus recycelten Bau­stoffen stammt. Zudem konnten durch das Projekt 463 Tonnen Müll vermieden werden.

Insbesondere die Fassade des Gebäudes zeigt, dass Nach­haltig­keit und Design kein Wider­spruch sein müssen. Da der Mörtel zwischen den Ziegel­steinen häufig härter ist als die Ziegel selbst, ist ein Recycling einzelner Ziegel kaum möglich. Für das Projekt wurden daher ganze Wand­elemente von jeweils 1 m² aus der alten Carlsberg-Brauerei aus­gesägt und anschließend in die Fassade des Gebäudes eingesetzt. Das Resultat ist ein markan­tes Design aus Tradition und Moderne.

Upcycle Studios – Nachhaltigkeit auf höchstem Level

Projekt „Upcycle Studios“ in Kopenhagen
Projekt „Upcycle Studios“ in Kopenhagen

Nur zwei Straßen weiter befindet sich ein weiteres Projekt von Lendager. Die „Upcycle Studios“ sind ein Art Reihen­haus­siedlung mit 20 Wohn­ein­heiten und gut 3.400 m² Fläche. Für dieses Projekt stam­men fast ⅔ des Materials aus recycelten Bau­stoffen. Der Beton kommt von Resten, welche beim Bau der Kopen­hagener Metro übrig­blieben. Das Holz für Fassade, Fuß­böden und die Wand­verklei­dungen im Innenraum stammen aus aussor­tiertem Holz von einem Parkett­hersteller. Die Fenster kommen von einem Wohnungs­unter­nehmen aus der dänischen Stadt Aalborg. Insgesamt gelang es beim Bau der Upcycle Studios durch die Wieder­verwendung der Materialien 914 Tonnen Müll zu vermeiden und bezogen auf eine Lebens­dauer von 50 Jahren 45 % CO2 einzusparen.

Die Analyse: geht Nachhaltigkeit auch bezahlbar?

Spannend ist, dass die Architekten eine umfassende Analyse der beiden Gebäude veröf­fent­licht haben, welche sowohl die Umwelt­auswir­kungen als auch die Kosten bis auf Material­ebene doku­mentiert. Es zeigt sich, dass das Recycling in allen Fällen zu CO2-Einsparungen geführt hat, diese jedoch stark unter­schied­lich ausfallen. So konnte bei den Fenstern eine Einsparung von 87 % CO2-Äquivalenten erreicht werden. Bei den Holz­ele­menten gelangen zwischen 44 % Einsparung für die Terrassen und 82 % Einsparung für die Holz­fassade der Upcycle Studios. Die Ziegelwand der Resource Rows erreichte eine Einsparung von 38 %. Die geringste Einsparung gelang bei den Beton­elementen mit „nur“ 5-8 % CO2-Reduktion. Beton ist jedoch der weltweit mit Abstand am meisten verwen­dete Baustoff, weshalb in diesem Bereich auch relativ geringe Einspa­rungen große Auswirkungen haben können.

Preislich gelang es leider noch nicht mit den Vergleichs­produkten mitzu­halten. Insbesondere die Ziegel­fassade der Resource Rows und der Recycling-Beton waren deutlich teurer. Die Architekten sehen bei beiden jedoch großes Optimie­rungs­potential. So wurde die Ziegel­fassade durch eine dünne Beton­schicht stabi­lisiert, welche verringert werden oder ggf. ganz ersetzt werden könnte.

Der Preis der Betonwände lag vor allem aufgrund der geringen Menge deutlich höher als das Vergleichs­produkt. Hier gilt es nach Möglich­keiten zu suchen, Skalierungs­effekte auch für Recycling­beton nutzbar zu machen.

Bei den Fenstern sieht es vielversprechender aus: Die Fenster­fronten der Upcycle Studios waren nur gering­fügig teurer als das Vergleichs­produkt, und dies trotz umfas­sender Hand­arbeit auf der Bau­stelle und insgesamt „nur“ 50 % wieder­verwen­deten Scheiben. Wird dieser Anteil auf 70 % erhöht, sowie das Ein­passen der Scheiben in die Rahmen von der Bau­stelle in die Firma verlegt, könnten die Fenster­fronten mit wieder­verwendeten Scheiben sogar deutlich günstiger werden als das Vergleichsprodukt.

Für die Holzelemente wurde leider keine genaue Kosten­analyse veröffent­licht. In einer Übersichts­bewertung der ein­zelnen Baustoffe geben die Architekten wieder­verwen­deten Holz­elementen in der Kategorie Wirt­schaft­lichkeit vier von fünf Punkten, was deren Erschwing­lichkeit vermuten lässt.

Fazit

Der Blick auf die beiden Projekte in Dänemark zeigt, dass in recycelten Bau­stoffen einiges an Potential für Nach­haltig­keit steckt. Sie stellen eine Möglichkeit dar, sowohl die Treib­haus­gase eines Gebäudes zu verringern als auch große Mengen Müll zu vermeiden. Dies gilt nicht nur für die konven­tionelle Stahl-Beton-Bauweise, sondern auch für den Holzbau. Leider steckt das Bauen mit recycelten Bau­stoffen noch in den Kinder­schuhen und ist daher oft teurer als die Verwen­dung konven­tioneller Baustoffe. Gleichzeitig gibt dies auch Hoffnung auf noch nicht genutzte Einspar­potentiale durch Skalierungs­effekte, Erfahrungs­werte und Standardisierung.

Vielleicht kann die gegenwärtige Material­krise hier als Beschleu­niger wirken und mehr Akteure zu Bemühungen im Bereich von Recycling-Baustoffen bewegen. Auch wenn viele sich längst daran gewöhnt haben, ist es doch letztlich ein Paradox, dass neue Mate­rialien oft günstiger sind als das Wieder­verwenden oder Reparieren von bestehenden. Wir werden daher die Entwick­lungen im Bereich Recycling und Wieder­verwendung von Baustoffen mit Spannung weiterverfolgen.

Quellen

Englisch:

  • Resource Rows bei Lendager
  • Upcycle Studios bei Lendager
  • Resource Rows bei NREP (Baufirma)
  • Upcycle Studios bei NRWP (Baufirma)
  • detaillierter Analysebericht

Deutsch:

  • Artikel mit Video zu den Resource Rows bei Detail
Ein neues Verständnis von Architektur & Bauplanung Eine Konferenz der Aktivisten

© nestbau AG

  • Newsletter
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum