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Teil 6: Wohnraumversorgung - Wo Märkte sinnvoll sind (und wo nicht)

Autor/in

Markus Buckenmayer Markus Buckenmayer

Datum

28.01.2024

Schlagworte

  • Politisches
  • Unternehmen
  • Konzepte
  • Info-Serie Wohnraumversorgung

Wohnraumversorgung

  1. Teil 1: Wohnraumversorgung – Hintergründe und Zusammenhänge
  2. Teil 2: Wohnraumversorgung - Klimaverträgliches Bauen
  3. Teil 3: Wohnraumversorgung - Was können natürliche Baustoffe bewirken?
  4. Teil 4: Wohnraumversorgung - Das Prinzip „Lego“: Rezyklierbarkeit und Kreislaufwirtschaft
  5. Teil 5: Wohnraumversorgung - Wohnfläche und Suffizienz – Wie viel ist genug?
  6. Teil 6: Wohnraumversorgung - Wo Märkte sinnvoll sind (und wo nicht)
  7. Teil 7: Wohnraumversorgung - Wohnungspolitische Instrumente und Eigentumsverhältnisse in Deutschland
  8. Teil 8: Wohnraumversorgung - Warum wir einen umfassenden kulturellen Wandel benötigen
  9. Teil 9: Wohnraumversorgung - Warum Wohnraum immer auch emotional ist
  10. Teil 10: Wohnraumversorgung - Unser „Neschtle“ oder die Transformation im Tun

Der Begriff "Wohnungsmarkt" zeigt an, dass unsere Wohn­raum­versorgung in weiten Teilen markt­wirtschaftlich organisiert ist. Wir erklären, was das bedeutet und was die Folgen davon sind.

Welche Eigen­schaften haben Märkte?

Märkten werden oft Eigen­schaften wie Effizienz, Selbst­regulierung und Maxi­mierung der Gesamt­wohl­fahrt zugesprochen. Diese Eigen­schaften haben sie aller­dings vor allem erst einmal in einer sehr abstrakten Modell­welt der ökonomischen Theorie. Die dafür not­wendigen Bedingungen (u.a. vollständige Information, keine Akkumulation wirtschaftlicher Macht, Gewinn­maximierung als ausschließliches unter­nehmerisches Interesse) können in der Realität gar nicht erfüllt werden.

Trotzdem können Wett­bewerb und die Frei­heit der unter­nehmerischen Initiative in gewissem Umfang positiv wirken, wenn dadurch gesellschaftlicher Bedarf auf­gespürt und zu fairen Preisen bedient wird. Für die Praxis bedeutet dies, dass die mark­wirtschaftliche Organisation bestimmter Teil­bereiche der gesell­schaftlichen Ver­sorgung durch­aus sinn­voll sein kann, sie muss aber begrenzt bleiben. Im Ideal­fall auf jene Bereiche, in welchen sie auch zu gesell­schaftlich erwünschten Lösungen führt.

Nachfrage und Bedarf in Märkten

Um bewerten zu können, wann die markt­wirtschaftliche Organisation eher sinn­voll ist und wann eher nicht, ist es wichtig zu verstehen, dass Märkte sich nicht am Bedarf orientieren, sondern an zahlungs­kräftiger Nach­frage. Ob hinter dieser Nach­frage auch ein realer Bedarf steht, spielt dabei keine Rolle, solange Zahlungs­bereitschaft und Kauf­kraft vor­handen sind. Auch die Frage, ob für das Bedienen der Nach­frage große Mengen an Ressourcen verbraucht werden, ist eher von unter­ge­ordneter Bedeutung.

Märkte interessieren sich zudem wenig für reale (ja selbst existenzielle) Bedürfnisse, wenn diese sich nicht in zahlungs­kräftiger Nach­frage äußern können. In einem solchen Fall sind die not­wendigen Güter zur Deckung des Bedarfs in aus­reichender Menge zwar vor­handen, werden aber denjenigen, die sie benötigen, nicht zur Ver­fügung gestellt. Eine weitere Problematik entsteht bei Gütern, deren Wert langfristig er­halten bleibt. Diese werden zum Teil als Mittel zur Vermögens­anlage nach­gefragt, ohne dass ihr Gebrauchs­wert dabei eine Rolle spielt. Dominiert diese Art der Nach­frage, werden die Preise für ein Gut so in die Höhe getrieben, dass sie für eine Nach­frage, welche an dem tat­sächlichen Gebrauch interessiert ist, zu hoch sind.

Eine Faust­regel als Einsatz von Märkten als ge­eignetes Organisations­prinzip könnte also sein:

  1. Ressourcen­ver­brauch und Umwelt­belastung sollten in an­gemessenem Verhältnis zum Nutzen aus dem erfüllten Bedürfnis stehen.
  2. Die Nicht­deckung eines Bedarfs sollte keine existenziellen Folgen haben.
  3. Tausch- und Gebrauchs­wert sollten nicht in starker Kon­kurrenz zu­einander stehen.

Was passiert, wenn Wohnen ein marktwirtschaftliches Gut ist?

Leider hat der so­genannte „Wohnungs­markt“ viele Facetten, welche die theoretisch positiven Aus­wirkungen einer Markt­organisation zunichte machen.

  1. Der Ressourcen­verbrauch und die Umwelt­belastung des Wohnungs­baus sind sehr hoch. Im Ideal­fall wird damit zwar ein existenzieller Bedarf erfüllt, doch häufig geschieht dies (wenn überhaupt) mit deutlich mehr Ressourcen und Umwelt­belastung als not­wendig. Exem­plarisch dafür stehen Zweit­wohnungen in Groß­städten, Luxus­apparte­ments in Ferien­regionen und große Ein­familien­häuser. Gebaut werden sie nicht, weil sie die effizienteste und beste Möglich­keit sind, den gesell­schaftlichen Bedarf nach Wohn­raum zu erfüllen, sondern weil die zahlungs­kräftige Nach­frage dafür vorhanden ist.

  2. Die Nicht­deckung des Bedarfs nach Wohn­raum hat für Menschen existenzielle Folgen. Wer aus seiner/ihrer Wohnung raus muss und in räumlicher Nähe zu seiner/ihrer Arbeits­stelle keine Alternative findet, steckt in einer sehr schwierigen Lage. Menschen können sich nicht einfach ent­scheiden, ob sie gerade wohnen möchten oder nicht.

  3. Die Nach­frage nach Eigen­tum von Immobilien ist in hohem Maße von Vermögens- und Rendite­überlegungen geprägt. Zahlungs­kräftige Nachfrage und reales Nutzungs­interesse gehen beim Gut „Wohn­raum“ weit aus­einander.

Aus den ge­nannten Punkten folgt, dass Märkte kein ge­eignetes Prinzip zur Organisation des gesell­schaftlichen Bedarfs nach bezahl­barem Wohn­raum sind. Statt­dessen benötigt es einen Mix aus Maß­nahmen, wie z.B. die erneute Er­höhung der kommunalen Wohnungs­bestände, die Unterstützung gemein­wohl­orientierter Akteure auf dem Wohnungs­markt und die Ein­dämmung von Spekulation mit Wohn­raum. All diese Maß­nahmen berühren die Eigen­tums­frage. Warum Deutsch­land in diesem Bereich im Vergleich zu anderen Ländern eine Sonder­rolle ein­nimmt und warum diese wichtig ist, erklären wir euch im nächsten Beitrag unserer Reihe.

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Teil 7: Wohnraumversorgung - Wohnungspolitische Instrumente und Eigentumsverhältnisse in Deutschland Teil 5: Wohnraumversorgung - Wohnfläche und Suffizienz – Wie viel ist genug?

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