Ökobilanz fertig: "Neschtle" erreicht QNG Plus-Standard
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Wie gravierend sind die Umweltauswirkungen unserer Bautätigkeiten? Diese Frage beschäftigt uns schon lange.
- Bereits 2021 gab es hierzu eine erste Auswertung zu unserem Gebäude in Hirschau.
- Nun haben wir in Kooperation mit der WoodenValley gGmbH eine Co²-Bilanz des Pfrondorfer Neschtles nach den Regeln des "Qualitätssiegels Nachhaltiges Bauen" (QNG) erstellen lassen.
Die Vorgehensweise
Ziel der Analyse war es, die Umweltauswirkungen des Gebäudes in zwei Dimensionen, der nicht erneuerbaren Primärenergie (PEne) und den Treibhausgasemissionen (GWP) im Rahmen einer Lebenszyklusanalyse festzustellen. Der Betrachtungszeitraum ist durch den QNG-Standard auf 50 Jahre festgelegt. Selbstverständlich streben wir eine längere Nutzungsdauer des Gebäudes an, was das reale Ergebnis entsprechend verbessern würde.
Die Ergebnisse
Das "Neschtle" erreicht die folgenden Werte:
- nicht erneuerbare Primärenergie: 80,68 kWhPEne pro m² Nettoraumfläche (840m²) pro Jahr
- Treibhausgasemissionen: 18,86 kg CO₂-Äq. pro m² Nettoraumfläche (840m²) pro Jahr
Damit werden die QNG-PLUS-Anforderungen der Qualitätssiegels Nachhaltige Gebäude erreicht. Diese liegen bei 96 kWhPEne und 24 kg CO₂-Äq. pro m² Nutzfläche pro Jahr. Bei den Treibhausgasemissionen werden sogar die Anforderungen für QNG PREMIUM (20 kg CO₂-Äq. pro m² Nutzfläche pro Jahr) erreicht.
Die Überraschungen
Überraschend war, dass die Solarthermieanlage mit großem Pufferspeicher zwar die Umweltauswirkungen im Betrieb des Gebäudes deutlich verbessert, bei deren Herstellung allerdings einiges an CO₂-Emissionen entsteht. Das führt dazu, dass ein erheblicher Teil der baubedingten Emissionen des "Neschtles" auf die Solarthermie zurückgeht.
Dies liegt jedoch maßgeblich daran, dass der QNG-Standard eine zweimalige Erneuerung der Anlage innerhalb der Betrachtungsdauer von 50 Jahren vorsieht, also einen Austausch alle 16 Jahre. Diesen Austauschzyklus möchten wir durch regelmäßige Wartung und Instandhaltung natürlich deutlich verlängern und schätzen eine Lebensdauer von mindestens 25 Jahren für realistisch ein.
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Auch die Brettsperrholzelemente tragen zu einem kleinen Teil (8,3%) zu den CO₂-Emissionen des Gebäudes bei. Wie kann dies sein, wenn Holz doch CO₂ speichert?
Dies liegt an dem Ansatz der Lebenszyklusbetrachtung, also der Einberechnung von Rückbau und Entsorgung des Gebäudes.
- Holz ist in seinem natürlichen Lebenszyklus CO₂-neutral, d.h. das während des Wachstums aufgenommene CO₂ wird bei Verrottung oder Verbrennung wieder freigesetzt. Aus diesem Grund kann verarbeitetetes Holz im gesamten Lebenszyklus nicht klimapositiv sein.
- Während der Verwendung als Bestandteil eines Gebäudes ist dies allerdings sehr wohl der Fall. Solange die Holzelemente im Gebäude verbaut sind, speichern sie das im Holz gebundene CO₂ und fungieren als Kohlenstoffspeicher.
Eine der Hauptaufgaben der ökologischen Bewirtschaftung von Holzgebäuden ist es also, dafür Sorge zu tragen, dass das Holz möglichst lange im Bestand bleibt.
(Siehe hierzu auch unseren Blogbeitrag zur Idee der "Wald-Bau-Pumpe" von Prof. Dr. Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung)
Weit mehr als nur ökologisch nachhaltig: Holz als Wohlfühlbaustoff. Innenwand im Neschtle
Verwendung von Holz entscheidend
Trotz der Emissionen, die auch bei Holz in einer Lebenszyklusbetrachtung entstehen, war die Verwendung von verleimtem Brettsperrholz (CLT) entscheidend zur Erreichung des QNG-Plus Standards. Dieses verursacht nur ca. ein Drittel der Emissionen von Stahlbeton, der konventionellen Alternative zu den Holzelementen. Eine weitere Verbesserung wäre durch die Nutzung von leimfreiem Konstruktionsvollholz denkbar, welches etwas weniger herstellungsbedingte CO₂-Emissionen verursacht.
Der größte Hebel zu noch ökologischerem Bauen besteht allerdings in der weiteren Reduktion der Stahlbetonelemente, denn trotz des Holzbaus wurden im "Neschtle" immer noch über 300t Stahlbeton verbaut. Dies liegt vor allem am Keller, welcher nicht aus ökologischen Materialien hergestellt werden kann.

Eine Frage für zukünftige nestbau-Häuser sollte also lauten: Ist auch ein Gebäude ohne Keller denkbar? Wenn ja, wie kann dies klug umgesetzt werden, sodass dennoch genügend Platz für Abstellräume, Waschküche und Haustechnik bleibt? Im Projekt Metzinger Miteinander probieren wir dies ganz konkret!
- Hier geht's zum Gesamtbericht: "Neschtle"-Öko-Bilanz von WoodenValley: Ökobilanz "Neschtle"
- Eindrücke: Holzbau in der Bauphase
- Annahmen: 0,2 kg CO₂-Äq./Person/km; 350 Passagiere; 6.000km Flugstrecke. zurück nach oben