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Danke, Gunnar Laufer-Stark!

Autor/in

Dr. Beate Radzey Dr. Beate Radzey

Datum

01.12.2025

Schlagworte

  • Unternehmen
  • Konzepte

Zum Abschied aus dem Vorstand der nestbau AG

„Noch schöner als Visio­nen zu haben, ist sie zu verwirk­lichen.“
Dieses Zitat der jungen öster­reichi­schen Philo­so­phin Lisz Hirn be­schreibt in einem kurzen Satz, was Gunnar Laufer-Stark als Grün­der und Vor­stand der nest­bau AG über viele Jahre mit unglaub­lichem Enga­ge­ment par excellence umge­setzt hat.
Nun ist am 30.11.2025 eine Ära bei der nest­bau AG zu Ende gegan­gen. Kurz nach seinem 70. Geburts­tag endete für Gunnar Laufer-Stark seine dritte je­weils 5-jährige Amts­zeit als Vorstand und er hat sich dazu ent­schieden, aus der aktiven Füh­rungs­ver­ant­wortung des Unter­nehmens auszu­scheiden.

Ein Pionier des gemeinwohl­orien­tierten Wohnens

Mit seinem Rück­zug aus der aktiven Rolle bei der nest­bau AG verab­schiedet sich eine Persön­lich­keit, die den gemein­wohl­orien­tierten Woh­nungsbau nach­haltig geprägt hat. Gunnar Laufer-Stark hat sich nie ge­scheut, neue Wege zu gehen, unkon­ven­tionelle Lösun­gen zu denken und mit großem Mut Pro­jekte zu reali­sieren, die vielen Menschen eine lebens­werte Perspek­tive ermög­licht haben.

  • Vor über 15 Jahren hatte er den Mut, die von ihm aufge­baute Steuer­bera­tungs­kanzlei zu verkau­fen und noch einmal zu stu­dieren:
  • Er machte an der Uni­ver­sität Münster einen Master in Immo­bilien­recht.
  • So vorbe­reitet ging er daran, eine Idee zu verfol­gen, die damals noch visio­när klang und heute als weg­wei­send gilt: Mit bezahl­barem Wohn­raum eine gemein­wohl­orien­tierte Geld­anlage­mög­lichkeit zu schaffen – nicht als Rendite­objekt, sondern als gemein­schaft­lich getra­genes Projekt. Finan­ziert durch Bürger­innen und Bürger, die Verant­wor­tung und Chancen mitein­ander teilen.
  • Dabei ging er selbst voran und brachte den gesam­ten Verkaufs­erlös seiner Kanzlei in die nest­bau AG ein, deren größter Aktio­när er bis heute ist.

Durch sein Wirken wurde nach­hal­tige Geld­anlage zu einem Motor für soziale Inno­vation. Dabei ver­folgte er ein expli­zit breites Verständ­nis von „Wohn­bau“. Und dabei zeigte sich immer wieder von Neuem, dass wirt­schaft­licher Erfolg und gesell­schaft­liches Engage­ment kein Wider­spruch sind, son­dern sich gegen­seitig stärken können. Unter seiner Lei­tung ent­wickelte sich das Unter­nehmen konti­nu­ierlich zu einem beispiel­ge­benden Akteur für gemein­wohl­orien­tierten und bezahl­baren Wohn­raum.
Für diesen außer­ordent­lichen Ein­satz gebührt höchste Aner­kennung. Wenn ein Mensch mit siebzig Jahren aus einer Auf­gabe heraus­tritt, die er selbst geschaf­fen, geprägt und über mehr als ein Jahr­zehnt mit schier uner­schöpf­licher Energie voran­ge­trie­ben hat, dann markiert das mehr als einen einfa­chen Wechsel im Vor­stand. Es ist der Moment, noch­mals Rück­schau zu halten auf das, was ein Impuls­geber und ein Möglich­macher im Woh­nungs­bau geschaffen hat.

Meilensteine einer beson­deren Unter­nehmens­geschichte

Als Gunnar Laufer-Stark im Jahr 2010 die nestbau AG grün­dete und als Aktien­gesell­schaft ins Handels­register ein­tragen ließ, betrat er Woh­nungs­bau-Neu­land: eine gemein­wohl­orien­tierte Bürger­aktien­gesell­schaft im Woh­nungs­bau. So etwas gab es bisher noch nicht! Eine AG, die öko­lo­gische Verant­wor­tung, soziale Inno­vation, Bürger­betei­li­gung und bezahl­baren Wohn­raum zusam­men­führt – das war ein abso­lutes Novum. Und es war der Auftakt zu einem mutigen, wegwei­senden Expe­ri­ment, das bis heute zahl­reiche Impulse setzt, auch weit über Tübin­gen hinaus. Über viele Jahre hin­weg blieb die nest­bau AG ein Ein-Perso­nen-Unter­nehmen, getra­gen von beein­druckender Ener­gie, fach­licher Tiefe, hohem An­spruch an sich und auch an andere und viel Idealis­mus. Das Funda­ment, das in dieser Zeit gelegt wurde, prägt die nest­bau AG bis heute. GLS-Foto Gunnar Laufer-Stark, Grün­der der nest­bau AG, Vor­stand von 2010-2025

Von Anfang an zeigte sich, was „nest­bau“ meint: sozial, ökolo­gisch, mensch­lich, koope­rativ und zutiefst der Gemein­schaft ver­pflich­tet.

  • Im Schleif­mühle­weg 75 entstand 2014 ein Stamm­haus, das schon damals alles hatte, was später Trend werden würde: Co-Wor­king, Inklu­sions­wohnen, starke Solar­thermie – und die innere Hal­tung, Mieter_in­nen nicht nur Wohn­raum, son­dern gute Lebens­räume zu geben.
  • 2016 ent­steht dann mit Neue Nach­barn ein frühes Modell eines echten Bür­ger:in­nen-Hauses – getragen von rund hun­dert Tübin­gerinnen und Tübingern.
  • 2017 setzt die nest­bau AG im Tübinger Güter­bahnhofareal einen Impuls, der seiner Zeit voraus war: Die Konzep­tion und Finan­zie­rung einer Pflege-WG, zu einer Zeit, als Wohn- und Pflege­gemein­schaften kaum bekannt waren.
  • 2018 wird im Stein­gau­viertel in Kirch­heim/Teck ein wei­teres Zukunfts­pro­jekt ange­stoßen – ein Haus, das hoch­wertig, bezahl­bar, gemein­schaft­lich und archi­tek­to­nisch anspruchs­voll zugleich ist, inklu­sive einer weiteren Pflege-WG. Die Fertig­stel­lung dieses ambi­tio­nierten Projekts erfolgte im Septem­ber 2022.
  • 2019 kommt ein weiteres Projekt dazu, das neue Wege betritt: Ein Grund­stück in Hirschau, auf dem ein Haus für Geflüch­tete und eine durch die nest­bau finan­zierte Pflege-WG ent­steht – ein Modell, das bis heute gut funk­tio­niert und ein weite­res Bei­spiel dafür, wie Gunnar Laufer-Stark Unbe­kanntes an­stößt und Koope­ra­tionen stärkt.
  • Mit der ersten testier­ten Gemein­wohl­bilanz 2020, erfolg­reichen Kapital­er­höhungen, dem profes­sio­nellen Aufbau eines Teams, dem grafi­schen Relaunch und dem ver­größerten Auf­sichts­rat schien die nest­bau AG in eine Phase der Ska­lie­rung einzu­treten: Optimis­mus, Auf­bruch und die berech­tigte Hoff­nung auf Ren­dite für inzwi­schen rund 500 Bürger­aktio­när:in­nen waren spür­bar.
  • Und dann: das „Pfron­dorfer Neschtle“, ab 2021 viel­leicht das sicht­barste Sinn­bild der Idee von nest­bau. Fast ganz aus Holz, ein Vorzeige­pro­jekt und eine Blau­pause für länd­liche Gemeinden – ein Haus, das zeigt, wie Zukunft aus­­sehen kann: ökolo­gisch, sozial, ästhe­tisch, identi­täts­stiftend. Mut und Beharr­lichkeit auch in kriti­schen Momen­ten.

Zu einer ehrli­chen Bilanz gehö­ren auch die Heraus­for­de­rungen,

mit denen die Arbeit der nest­bau AG konfron­tiert war:

  • Ein langjähriger Rechts­streit um eine Bauge­neh­migung in Metzin­gen,
  • der Ver­kauf des archi­tek­to­nisch und kon­zep­tio­nell visio­nären Hauses C2 am Hechin­ger Eck in Tübingen im Jahr 2023,
  • und das ambi­tionierte Pro­jekt in Stutt­gart-Feuer­bach, das trotz großer Anstren­gung nach fast fünf­jäh­riger Konzept­ar­beit nicht reali­siert werden konnte.

All diese Pro­jekte waren über­lagert durch die Anfang 2022 über den Woh­nungs­bau herein­ge­bro­chene erheb­lichen Ver­schlech­terungen bei Finan­zie­rungen und dem Weg­fall von Zuschüssen, die auch die Fertig­stellung des „Pfrondorfer Neschtle“ immer wieder verzögerten. Die kon­struktive Bewäl­ti­gung dieser Rück­schläge tragen seine Hand­schrift ebenso wie die Erfolge: Beharrlichkeit, Verant­wor­tungs­ge­fühl, Inte­grität – und die Fähig­keit, auch trotz Enttäu­schun­gen den einge­schla­genen Weg mutig weiter­zu­gehen – zeich­nen ihn als verant­wor­tungs­volle Führungs­person und beson­dere Persön­lich­keit aus. Denn

Gunnar Laufer-Stark war nie nur Vorstand einer Wohnungs­bau­ge­sell­schaft

Wer Gunnar Laufer-Stark kennt, weiß, dass ihn wesent­lich mehr aus­zeichnet. Er ist Bera­ter, Projekt­ent­wickler, Netz­werker, Mut­macher, Ideen­stifter und in der Wohn­pro­jekte­szene „be­kannt wie ein bunter Hund“. Er verbindet in seiner Person schein­bare Gegen­sätze auf einzig­artige Weise:

  • einen marxisti­schen Hinter­grund mit risiko­be­reitem unter­neh­me­ri­schem Denken
  • schwäbisches Urgestein und origi­neller Freigeist
  • juristisch präzise und gleich­zeitig warm­herzig zugewandt
  • ungedul­dig for­dernd und den­noch in der Lage, komplexe Sach­ver­halte so zu erklä­ren, dass sie auch für Laien verständ­lich werden
  • ein erfah­rener Profi und ein Mensch, der gerne lacht, erzählt und seine Erfah­rung weiter­gibt.

Mit dem Aus­scheiden aus dem Vor­stand endet eine wich­tige Ära der nest­bau AG. Seine Neu­gier, seine Pionier­arbeit, sein Mut und sein uner­schütter­licher Gemein­wohl­geist haben ein Unter­nehmen geprägt, das heute beispiel­ge­bend in der Gemein­wohl­öko­nomie ist. Dabei ist offen­sicht­lich, dass die Wir­kung von Gunnar Laufer-Stark dauer­haft sicht­bar bleibt – in Häu­sern, die für viele Men­schen Hei­mat gewor­den sind, in Men­schen und Netz­werken, die erfolg­reich zusam­men­ar­beiten und in Ideen, die über das Unter­nehmen hinaus weiter­leben.
Wir freuen uns sehr, dass Gunnar Laufer-Stark bereit ist, die nest­bau AG weiter­hin bera­tend zu unter­stützen und ihr mit seiner Exper­tise zur Seite zu stehen.

Lieber Gunnar,

  • danke für Dein Enga­gement, Deinen Mut und Deine Vision,
  • danke für alles, was Du geschaf­fen, ange­stoßen und ermög­licht hast,
  • danke für ein Stück Zukunft, das ohne Dich nicht gebaut worden wäre.

Dr. Beate Radzey, Vorsitzende des Aufsichtsrats

  • Hier geht's zur Chronik der nestbau AG
Beratung Drittprojekte verstärkt Unterjesingen - tatsächlich in Bau

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