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Was ist ein Unternehmen wert?

Autor/in

Dorothea Mann Dorothea Mann

Datum

11.05.2022

Schlagworte

  • Unternehmen
  • Ökonomie

Wenn es um den Wert eines Unternehmens geht, tauchen die Begriffe „Buchwert“, „Marktwert“, „Sachwert“, „Ertrags­wert“ oder auch „fairer Wert“ auf. Ein Grund­ver­ständ­nis dessen, was hinter diesen Begrif­fen steht, ist erfor­derlich, um den Wert eines Unter­nehmens ein­schätzen zu können – und damit, ob zum Beispiel der Preis einer Aktie ange­mes­sen ist. An dieser Stelle geben wir einen kleinen Einstieg.

Bilanz & Buchwert

Der einfachste Weg, den Wert eines Unter­nehmens heraus­zu­finden, führt zur Bilanz:

Die Aktivseite der Bilanz ist ein Verzeich­nis des Vermö­gens des Unter­nehmens. Wir könnten also sagen, dass die Bilanz­summe der Wert des Unter­nehmens ist. Tatsächlich handelt es sich bei der Auf­stellung dieser Vermö­gens­werte um den so genannten Buchwert, mit dem diese „in den Büchern“ stehen.

Geld- & Anlagevermögen in der Bilanz

Beim in der Bilanz aufgeführten Wert des Geldvermögens ist es relativ einfach: er entspricht dem Konto­stand auf den Bank­konten. Schwie­riger ist es beim Anlage­vermögen. Anlage­vermö­gen ist defi­niert als „die Gegen­stände, die bestimmt sind, dauernd dem Geschäfts­betrieb zu dienen“. Bei der nestbau AG sind das (Stand 31.12.2021) zu mehr als 98 % Immo­bilien, also Grund­stücke und ange­fangene sowie fertig gebaute Häuser.

Vorschriften für die Bilanz nach dem Handelsgesetzbuch

Nach den Vorschriften unseres Handels­gesetz­buches (HGB) muss ein Unter­nehmen ein Haus, das es kauft oder bauen lässt, zu seinem Anschaf­fungs­preis bzw. den Herstel­lungs­kosten in seine Bilanz auf­nehmen. Der Wert dieses Hauses in der Bilanz ist darum direkt nach dem Kauf bzw. bei Fertig­stellung genau gleich dem Preis, den das Unter­nehmen bezahlt hat.

Unsere Rechnungs­legungs­vorschriften gehen dann davon aus, dass ein Vermögens­gegen­stand eine bestimmte Nutzungs­dauer hat – ein Wohn­haus beispiels­weise zwischen 50 und 100 Jahre. Also wird in der Bilanz jedes Jahr ein entspre­chender Anteil vom Anschaf­fungs­preis abge­zogen (die so genannte Abschreibung). Bei einer ange­nom­menen Nutzungs­dauer von 50 Jahren sind dies jährlich 2 %. Oder anders betrachtet: Nach zehn Jahren steht das Haus nur noch mit 80 % seines Anschaf­fungs­preises bzw. seiner Herstel­lungs­kosten in der Bilanz. Das ist dann sein Buchwert. Dieser wäre dann im Beispiel nach 50 Jahren bei Null – unab­hängig davon, wie das Haus instand gehal­ten wurde oder wie sich die Immo­bilien­preise entwickelt haben.

Grundstücke werden übrigens nicht abge­schrie­ben, da sie sich grund­sätz­lich nicht ab­nutzen. D. h. sie bleiben in der Bilanz dauer­haft mit ihrem Anschaf­fungspreis stehen.

Auswirkungen des HGB auf den Unternehmenswert in der Bilanz

Kaufmännische Vorsicht heißt das Prinzip, das diesen Vor­schrif­ten des HGB zugrunde liegt: vorhan­denes Vermö­gen wird niedrig be­wertet, Risi­ken wie z. B. zu erwar­tende Kosten hoch. Also ver­lie­ren unsere Immo­bilien in der Bilanz jedes Jahr stetig an Wert, bis sie auf dem Papier nichts mehr wert sind. Es liegt auf der Hand, dass das auf dem Immo­bilien­markt anders aus­sieht, wenn auch niemand sicher sagen kann, wie genau.

Generell ist also der in einer Bilanz nach HGB ausge­wie­sene Wert des Unter­nehmens­vermö­gens syste­ma­tisch eher zu niedrig angesetzt.

Marktwert(e)

Anders verhält es sich mit dem Marktwert. Der Markt­wert ist der Wert, den wir bekom­men, wenn wir einen Ver­mögens­gegen­stand – z. B. ein Haus – verkau­fen. Wenn wir die aktu­ellen Preise an­schauen, die zur Zeit für Immo­bilien bezahlt werden (nicht nur für Neu­bau­ten, sondern auch für ältere Häuser), liegt es auf der Hand, dass unsere Häuser einiges mehr wert sind, als in den Bü­chern steht. Theo­rien, wie sich ein Markt­wert genau ermit­teln lässt, ohne das Haus tatsäch­lich zu ver­kau­fen, gibt es etwa so viele wie Dozent:innen für Betriebs­wirt­schafts­lehre. Ganz grob gesagt gibt es zwei gängige Ansätze (Ertragswert- und Sachwert­verfahren). Darauf gehen wir in einem späteren Blog­beitrag noch gesondert ein.

Da wir unsere Häuser langfristig vermie­ten möch­ten, ist der Markt­wert für uns weniger wich­tig. Aber es ist doch beruhi­gend zu wissen, dass wir das ganze Geld, das wir investiert haben, mit Auf­schlag zurück bekä­men, wenn wir unsere Häuser verkau­fen und alle Schulden an die Banken zurückzahlen würden.

Unsere „stillen Reserven“

Die Differenz zwischen Buchwert und Marktwert eines Vermögens­gegen­stands nennt man stille Reserven. In unseren Geschäfts­berichten finden Sie jeweils nach der aktu­ellen Bilanz sowie der Gewinn- und Verlust­rechnung unter dem Titel „Vermö­gens­schätzung“ eine vorsich­tige Schätzung dieser stillen Reserven unserer AG. Die Geschäfts­berichte für jedes Jahr seit 2020 sowie alle Bilan­zen seit Gründung der nestbau AG sehen Sie auf unserer Unternehmensseite.

Bewertung eines Hauses, kurz gefasst:

  • Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten minus Abschreibung = aktueller Buchwert
  • (geschätzter) Verkaufspreis = aktueller Marktwert
  • Differenz zwischen Buchwert und Marktwert = stille Reserven

Wie bilanzieren kapitalmarkt­orientierte Konzerne?

Andere Bilanzierungs­vorschriften wie z. B. die International Financial Reporting Standards (IFRS) sehen die kauf­män­nische Vorsicht als weniger zentral an, so dass nach IFRS bilan­zie­rende Unter­nehmen in der Regel höhere Buch­werte auf­weisen, die dann näher am Markt­wert liegen. Falls der Markt­wert drastisch sinken sollte, z. B. aufgrund einer Finanz­krise, wird das aller­dings eben auch einen größeren (Buch-)Wert­verlust des Unter­nehmens nach sich ziehen.

Nach IFRS-Regeln bilanziert werden in Deutschland praktisch alle Konzern­abschlüsse von kapital­markt­orientierten Unternehmen.

Basiswissen Bilanz Ein neues Verständnis von Architektur & Bauplanung

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