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Basiswissen Bilanz

Autor/in

Dorothea Mann Dorothea Mann

Datum

04.05.2022

Schlagworte

  • Unternehmen
  • Ökonomie

Im allgemeinen Sprach­ge­brauch bedeu­tet Bilanz so etwas wie Ergeb­nis oder Auswer­tung. So ist beispiels­weise die Rede von einer Bilanz der Bundes­tags­wahl, einer Bilanz des Schul­jahrs oder einer Bilanz der Bezie­hung. In diesem Blog­bei­trag ist die Rede von der Bilanz als Teil des Jahres­ab­schlus­ses und der Gewinn­er­mitt­lung eines Unter­nehmens.

Definition der Handelsbilanz

Eine Bilanz ist eine nach bestimm­ten Regeln geord­nete Aufstel­lung des Vermö­gens eines Unter­neh­mens.

Die „Maßeinheit“ für eine Bilanz ist der Geld­wert, in unse­rem Fall also Euro. Die Bilanz wird zu einem bestimm­ten Stich­tag aufge­stellt. Sie ist eine Moment­auf­nahme, gewis­ser­maßen ein „Foto“, vom Unter­nehmens­ver­mö­gen am Bilanz­stich­tag.

Aktivseite: wo steckt das Geld?

In der linken Waag­schale, der Aktiv­seite, finden sich alle Vermö­gens­gegen­stände des Unter­neh­mens, geord­net nach ihrer Verfüg­bar­keit.

A. Anlagevermögen

In der Handelsbilanz nach dem Handels­gesetz­buch (HGB) stehen an erster Stelle die Anlage­güter.

  1. Immaterielle Vermögengsgegenstände: z. B. Rechte, Lizenzen… Auch eine Inter­net­seite ist ein solcher immate­rieller Vermö­gens­gegen­stand, sofern dafür Geld bezahlt wurde.
  2. Sachanlagen: Anlage­güter können „Dinge“ sein (bei der nestbau AG han­delt es sich zum größten Teil um Grund­stücke und Gebäude).
  3. Finanzanlagen: das sind in der Regel Anteile an anderen Unter­nehmen, z. B. Genos­sen­schafts­anteile.

Die meisten Anlagegüter verlie­ren im Lauf der Zeit an Wert, der Zahn der Zeit nagt gewis­ser­maßen an ihnen. Dieser Wert­ver­lust wird in der Buch­hal­tung Abschrei­bung ge­nannt.

B. Umlaufvermögen

  1. Forderungen: wenn z. B. Mieterin­nen oder Mieter ihre Miete noch nicht bezahlt haben
  2. Geldvermögen: der Inhalt der Bar­kasse, die Konto­stände der verschie­denen Bank­konten…

Alle diese Vermö­gens­gegen­stände zusam­men­ge­rech­net ergeben die Bilanz­summe; das ent­spricht dem (buch­hal­teri­schen/ bilan­ziellen) Wert eines Unter­nehmens.

Die Vermögens­gegen­stände auf der Aktiv­seite der Bilanz sind danach geord­net, wie schnell sie zu Geld gemacht wer­den können. Je weiter unten ein Vermö­gens­gegen­stand steht, desto „flüs­siger“ ist er in finan­zieller Hinsicht. In ande­ren Län­dern gelten zum Teil andere Vorschrif­ten, wie die Posten geord­net werden müssen.

Passivseite: wo kommt das Geld her?

A. Eigenkapital

  1. Gezeichnetes Kapital
  2. Kapitalrücklage
  3. Bilanzgewinn / Bilanzverlust

B. Rückstellungen

Wenn im aktuellen Jahr etwas passiert, wofür in späte­ren Jahren bezahlt werden muss. Ein typi­sches Bei­spiel dafür ist, wenn das Unter­nehmen eine:r Beschäf­tigten zusagt, dass sie nach ihrem Aus­scheiden eine Pen­sion erhält. Das muss das Unter­nehmen erst viele Jahre später bezahlen, aber erarbeitet hat die Mitarbeiter:in diesen Anspruch im aktu­ellen Jahr. Also muss dafür eine Rück­stellung gebildet werden (und im besten Fall tat­säch­lich Geld dafür zurück­gelegt werden). Wir könnten auch sagen, dass Rück­stel­lungen „Schul­den“ sind, die das Unter­nehmen bei der Zukunft aufge­nommen hat.

C. Verbindlichkeiten = Fremdkapital

Langfristige Verbind­lich­keiten sind z. B. Dar­lehen, die das Unter­nehmen bei Ban­ken aufge­nom­men hat. Kurz­fristige Verbind­lich­keiten sind z. B. aktuell noch nicht be­zahlte Rech­nungen, oder auch Rech­nungen, die noch gar nicht gestellt wurden, wo die Lei­stungen aber unstrei­tig bereits erbracht wurden.

Rechnungsabgrenzungsposten

Auf beiden Seiten der Bilanz kann es Rech­nungs­ab­gren­zungs­posten geben. Immer dann, wenn etwas bezahlt wird, was sowohl das aktu­elle als auch spä­tere Wirt­schafts­jahre betrifft, muss abge­grenzt werden.

Auf der Passivseite kann das z. B. Miete sein, die für ein ganzes Jahr im Voraus bezahlt wird, 2 Monate für das aktuelle Jahr, 10 Monate für das kom­mende. Das Unter­nehmen hat dann 2 Monats­mieten für das aktuelle Jahr; das Geld für das kom­mende Jahr ist auch schon auf dem Konto. Im Gegen­zug ist das Unter­nehmen verpflich­tet, im nächs­ten Jahr die Woh­nung für 10 Monate zur Verfü­gung zu stellen. Das ist ein pas­siver Rech­nungs­abgren­zung­sposten, nämlich die Verbind­lich­keit (=Verpflich­tung) gegenüber der Mieter:in.

Umgekehrt gilt: wenn das Unter­neh­men im aktuellen einem Jahr etwas bezahlt hat, was es erst nächstes Jahr be­kommt (z. B. eine Voraus­zahlung für eine Versi­che­rung, die im August beginnt und bis nächs­ten Juli geht), muss ein aktiver Rech­nungs­ab­gren­zungs­posten gebil­det werden. Das Geld ist dann zwar nicht mehr auf dem Konto, aber statt­des­sen zählt das durch die Zah­lung erlangte Recht (in diesem Fall: versichert zu sein), nächstes Jahr etwas zu bekom­men, zum Vermögen.

„Bilanzwaage“

Beide Seiten der Bilanz müssen im Gleich­ge­wicht sein: die Bilanz­summe ist auf beiden Seiten, der Aktiv- und der Passiv­seite, gleich hoch. Alles Geld, das irgend­wo her­kommt, muss auch irgend­wo drin­stecken.

Übrigens: Das Wort Bilanz leitet sich her vom italie­nischen bilancia = Waage. Aus Venedig kommt eine der ersten Darstel­lungen der Methode der dop­pelten Buch­füh­rung, deren Ab­schluss die Auf­stellung der Bilanz ist. 1494 erschien die Abhand­lung über die Buch­haltung, ein Kapitel in dem Mathe­matik­buch Summa de arith­metica, geo­metria, propor­tioni et propor­tionalità von Luca Pacioli, einem franzis­ka­ni­schen Mönch und Mathe­matik­professor.

Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich

Die Bilanz ist eine Moment­auf­nahme zum Bilanz­stich­tag, also gewisser­maßen ein „Foto“ der Vermö­gens­ver­hält­nisse eines Unter­nehmens. Bei der nest­bau AG ist der Bilanz­stich­tag der 31. Dezem­ber eines Jahres. Das Wirtschafts­jahr ent­spricht dem Kalen­derjahr.

Die Gewinn- und Verlustrechnung bildet ab, was im Lauf des Jahres pas­siert. Sie also gewisser­maßen der „Film“. Wir erklären sie in einem spä­teren Blog­beitrag.

Aktivseite: wohin geht das Geld?
Passivseite: woher kommt das Geld?

Die Bilanzsumme muss auf beiden Seiten gleich hoch sein.
Die Bilanzsumme ist der Wert des Unter­neh­mens, der in den Büchern steht (= Buch­wert).

Mehr über die verschie­denen Wege, den Wert eines Unter­neh­mens zu ermitteln, lesen Sie im Blog­artikel: Was ist ein Unternehmen wert?

Pressekonferenz 27. April 2022 Was ist ein Unternehmen wert?

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