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Wohnungsgipfel 2023

Autor/in

Markus Buckenmayer Markus Buckenmayer

Datum

09.10.2023

Schlagworte

  • Bauen & Klima
  • Politisches
  • nestbau kommentiert

Die Bundesregierung hat im Zuge des sog. „Wohnungs­gipfels“ einen 14-Punkte-Plan veröffentlicht. Die Maßnahmen für sozial orientierte Wohnungs­unternehmen bleiben dabei leider äußerst dürftig. Bezahlbarer Mietwohn­raum wird durch das Paket wohl nur wenig entstehen. Auch der Umwelt- und Klima­schutz spielt kaum eine Rolle.

Bezeichnend ist bereits die Überschrift auf der Seite des Bundesbau­ministeriums: Dort wird von „Maßnahmen der Bundes­regierung für zusätzliche Investitionen in den Bau von bezahlbarem und klima­gerechtem Wohn­raum und zur wirtschaftlichen Stabilisierung der Bau- und Immobilien­wirtschaft“ gesprochen. Dies zeigt bereits, dass das Paket mindestens so sehr zur Stützung der Bauwirtschaft, wie zur Schaffung von bezahlbarem Wohn­raum verabschiedet wurde. Beim Blick auf die einzelnen Maßnahmen erkennt man, dass die Ankurbelung der Bau­wirtschaft in den Verhandlungen wohl deutlich höhere Priorität hatte. Im Folgenden kommentieren ich einige der vorgestellten Maßnahmen.

Sonder­abschreibung hilft sozial orientierten Wohnungs­unternehmen nicht

Das Bundes­bauministerium wirbt beispielsweise mit der Sonder­abschreibung für Abnutzung (AfA) in Höhe von jährlich 6%. Diese gilt für die Errichtung von Wohn­gebäuden ab dem 01.10.2023 und soll einer der großen Hebel zur Stabilisierung der Bau­branche sein. Die Maßnahme bringt den kommunalen, genossenschaftlichen und gemeinwohl­orientierten Unternehmen im Wohnungs­bau nichts.

Abschreibungen mindern den Gewinn der entsprechenden Unternehmen bzw. den Überschuss aus Vermietung bei Privatpersonen und damit deren Steuerbeitrag. Da durch Steuerzahlungen Liquidität abfließt sind Sonder­abschreibungen ein Mittel, um den Bauenden mehr Liquidität zu lassen, damit sie (hoffentlich) in weitere Gebäude investieren. Hilfreich ist dies vor allem für Unternehmen, welche hohe Gewinne ausweisen und entsprechend Steuer­beiträge zu entrichten haben, welche dann durch die Abschreibung gemindert werden. Oder sie führen zu steuerlichen Verlusten aus Vermietung, welche dann mit Überschüssen aus anderen Einkunfts­arten verrechnet werden können. Sozial orientierte Wohnungs­unternehmen haben aber oft keine hohen Gewinne und streben dies auch nicht an. Somit begünstigt dieses Instrument gewinnorientierte Akteure im Wohnungsbau in der vagen Hoffnung auf eine Sozialquote in deren Neubauten.

Dünnes Bekenntnis zum Klimaschutz

Der Energie­standard EH40 als verbindlicher gesetzlicher Neubaustandard in der aktuellen Legislaturperiode wird ausgesetzt. Diese Maßnahme sehen wir zwiegespalten. Es ist positiv, wenn sich die Diskussion um die Umweltwirkungen des Gebäudesektors nicht mehr nur einseitig auf die Energieeffizienz, also die benötigte Heizenergie eines Gebäudes, fokussiert, sondern stärker die Emissionen im gesamten Lebenszyklus betrachtet. Dies bedeutet, dass auch die sogenannte „graue Energie“, also die Energie, die während der Bauphase und des Abrisses eines Gebäudes entsteht, berücksichtigt wird. Nur ein ganzheitlicher Blick auf die immensen CO2-Emmissionen im Bausektor kann Lösungen bringen. Andererseits bleiben die Bekenntnisse der Bundesregierung im Bereich Förderung oder Regulierung von Baustoffen äußerst vage. So heißt es vom Bundes­bauministerium: „Sobald bürokratiearm leistbar, wollen wir den Klimaschutz auch bei Materialien und ihrer Produktion verankern, (…)“.

Vorsichtige Schritte in Richtung „Wohnraum schaffen im Bestand“

Spannend klingt die Ankündigung eines neuen Förderprogramms „jung kauft alt“ für den Erwerb von sanierungsbedürftigen Bestands­gebäuden in Kombination mit entsprechenden Sanierungsauflagen. Das Programm soll bereits 2024 in Kraft treten. Es richtet sich an „junge Familien“. Wir finden dies eine sinnvolle Maßnahme um ökologisch schädlichen Neubau zu verhindern und die energetische Sanierung im Bestand voranzutreiben. Nur: Was ist mit den vielen, die kein Haus kaufen können? Und wie wäre es mit einer Ausweitung des Programms auf gemeinwohlorientierte Akteure der Wohnungswirtschaft? Die Ankündigung eines Förderprogramms zum Umbau von Gewerbeimmobilien zu Wohnungen geht ebenfalls in die richtige Richtung, wir hoffen, dass sich hier endlich etwas tut.

Neue Wohn­gemeinnützigkeit – Wann kommt der Durchbruch?

Besonders hilfreich für gemeinwohl­orientierte Akteure der Wohnungs­wirtschaft könnte die geplante „Neue Wohngemeinnützigkeit“ sein. Durch Investitions­zuschüsse und Steuer­vorteile würden gezielt Unternehmen unterstützt, welche nach den Kriterien der Wohn­gemeinnützigkeit arbeiten. Auch wenn die genauen Vorgaben noch nicht feststehen, dürften viele Genossenschaften und andere Unternehmen mit hohem Sozial­wohnungs­bestand diese bereits erfüllten. Ein fester Bestandteil der „neuen Wohn­gemeinnützigkeit“ sollen vergünstigter Wohn­raum und eine prozentuale Ober­grenze der Gewinn­ausschüttung sein. Für die nestbau AG wird es entscheidend sein, ob eine gewerbliche Vermietung in gewissem Umfang erlaubt wird. Dies ist wichtig, um lebens­werte Quartiere mit guter Nah­versorgung und gemischter Nutzung realisieren zu können. Die Ampel-Koalition ist von einer Einigung zur konkreten Aus­gestaltung der Wohngemeinnützigkeit noch weit entfernt und auch die Finanzierung ist noch offen. Es ist also fraglich wie viel Wert die Aus­sage des Bau­ministeriums tatsächlich hat, wenn gesagt wird: „Wir wollen bereits im nächsten Jahr die neue Wohn­gemeinnützigkeit an den Start bringen“.

Anreize für die Bauwirtschaft sind zu wenig, die öffentliche Hand muss selbst aktiv werden!

Insgesamt sind die Ergebnisse des sog. „Wohnungs­gipfels“ – trotz manch guter Ansätze – ziemlich enttäuschend. Dies liegt vor allem daran, dass alle Maß­nahmen unter der Prämisse „Anreize für private Akteure schaffen“ stehen und nicht für sozial orientierte Wohnungs­unternehmen ausgerichtet sind. Die Politik ist über fast alle Parteien hinweg überzeugt, dass bezahlbarer Wohn­raum nur dann entsteht kann, wenn Investoren und Bau­wirtschaft genügend Anreize in Form von Förder­programmen und Steuer­vorteilen bekommen. Dies wird nicht ausreichen. Um mittel­fristig genügend bezahlbare Wohnungen zu schaffen, muss die öffentliche Hand wieder stärker selbst als Anbieter von sozialem Wohn­raum auftreten, entweder durch eigene Bau­projekte oder den Kauf von Bestands­wohnungen. Der Staat könnte so seinem Auftrag einer umfassenden öffentlichen Daseins­vorsorge nachkommen und hätte durch das eigene Angebot perspektivisch auch wieder mehr Einfluss auf die Miethöhe privat vermieteter Wohnungen.

Tipps zum Weiterlesen:

* Maßnahmenpaket des Bundesbauministeriums

* ZEIT-Artikel zum Wohnungsgipfel

* Artikel des Berliner Mietervereins zur geplanen Wohngemeinnützigkeit

nestbau AG trifft regionalen Holzbau „Das Neubaugebiet ohne Neubau“: Veranstaltung mit Dr. Daniel Fuhrhop

© nestbau AG

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