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Die Finanzialisierung des Wohnungsmarktes

Autor/in

Annette Guthy Annette Guthy

Datum

10.11.2023

Schlagworte

  • Bericht
  • Politisches
  • nestbau kommentiert

Anfang November erschien die Studie „Rendite mit der Miete - Wie die Finanzmärkte die Wohnungskrise in Deutschland befeuern“ der Bürgerbewegung Finanzwende. Die Studie beschäftigt sich mit der Finanzialisierung des Wohnungsmarktes, den Auswirkungen dieses Trends und was man dagegensetzen kann. Wir fassen zusammen.

Wer bestimmt den Wohnungsmarkt?

Wohn­konzerne, die nach den Regeln der Finanz­märkte spielen, haben kein Interesse am Neubau von Wohnungen. Eine neue Studie von der Bürgerbewegung Finanzwende zeigt, dass sie sogar von Knappheit profitieren. Börsen­notiere Konzerne wollen vor allem hohe Gewinne erwirtschaften und nicht Wohnraum für Menschen schaffen. Der Begriff der Finanzialisierung soll zeigen, dass die großen Wohn­konzerne immer mehr nach den Regeln der Finanz­märkte agieren und nicht nach den Interessen des Gemein­wohls bzw. der Mietenden (Quelle: Die ZEIT).

Wie kam es soweit? Große Teile des Wohnungs­marktes, die früher nicht vom Auf und Ab der Finanz­märkte betroffen waren, wurden durch die Finanzialisierung zum Anlage­produkt. Zwischen 2009 und 2020 ist das Gesamt­volumen der Kapital­anlagen in Wohn­immobilien in Europa um fast 700 Prozent auf über 60 Mrd. Euro gestiegen.

Neubau gehört nicht zum Geschäft

Mit Neubau verdienen die Unternehmen nicht genug. Daher lassen sie es momentan ganz bleiben, wo doch der Wohnungsmarkt durch hohe Zinsen und steigende Baukosten in einer Krise steckt, so die Autoren der Studie. Der Wohnungsmangel sorgt indes wieder für steigende Mieten. Ebenso herausragend und aufklärend ist die Abschöpfungsquote der Unternehmen: Von jedem Euro Mieteinnahme der untersuchten Unternehmen flossen im Jahr 2021 ganze 41 Cent in Form von Dividenden an Aktionärinnen.

Wohnungen kaufen, statt neue zu bauen

Um die Aus­schüttungen möglichst hoch zu halten, strebten die börsen­notierten Wohnungs­unternehmen stärker als andere Anbieter­gruppen am Wohnungs­markt in den vergangen zwei Jahr­zehnten nach Expansion und großen Markt­anteilen. Während landes­eigene Wohnungs­unternehmen in den letzten Jahren fast immer so viele Wohnungen gebaut wie gekauft haben, hat Vonovia in den Jahren 2017 bis 2021 für jede gebaute Wohnung 99 Wohn­einheiten aufgekauft. Die Zahlen zeigen: Auch künftig werden börsen­notierte Wohnungs­unternehmen keine Hilfe beim Bau neuer Wohnungen sein.

Nicht vereinbar mit gesellschaftlichen Zielen

Die Shareholder-Value-Orientierung führt dazu, dass die Unter­nehmen weniger investieren und somit auch nicht die sozialen und ökologischen Ziele der Gesellschaft erfüllen. Diese Entwicklung auf dem Wohnungs­markt führt zu einem sozialen Zerwürfnis und erheblichen Ziel­konflikten innerhalb der Gesell­schaft, immerhin wohnen die Hälfte der Deutschen zur Miete.

Wie dagegen steuern?

Die Studien­autoren fordern eine strengere Regulierung vor allem von Private Equity und ihren Immobilien­fonds, außerdem solle die Wohn­gemeinnützigkeit und das kommunale Vorkaufsrecht wieder eingeführt werden.

Video: Pfrondorfer "Neschtle" - Warum eigentlich Modellprojekt? IBA'27-Podiumsdiskussion zu gemeinschaftlichen Wohnprojekten

© nestbau AG

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